Interview mit Günter Karl

Günter Karl leitet die Abteilung Forschung/Vorentwicklung Ottomotoren, die zum Bereich Fahrzeuge, Motor/Triebstrang der Daimler-Konzernforschung und Vorentwicklung gehört. Der promovierte Maschinenbauingenieur, der dem Unternehmen seit 1992 angehört, ist einer der geistigen Väter des DIESOTTO-Konzepts.
Der DIESOTTO wurde im F 700, einer großen Reiselimousine, präsentiert. Eignet sich das Konzept auch für kleinere Fahrzeuge wie etwa die
A-Klasse?
Das DIESOTTO-Konzept ist ein modulares Konzept und somit für verschiedene Motorisierungen anwendbar. Die Technologiekombination ist dabei an die jeweilige Fahrzeuganwendung anzupassen.
Eine breite Einführung ist dem neuartigen Motor schon wegen seines geringeren Kraftstoffverbrauchs zu wünschen. Wann gibt es den DIESOTTO in Serie?
Das Modulkonzept besagt, dass einzelne Bausteine, die serienreif sind, schon früher in das Produkt einfließen werden. Die Kombination aller im F 700 vorgestellten Elemente benötigt bis zur Serieneinführung noch Entwicklungszeit.
Ist der selbstzündende Benziner das Ende vom Diesel, der ja eine vergleichsweise aufwendige Abgasnachbehandlung braucht?
Otto- und Dieselmotor besitzen nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. Zum einen entsteht im Raffinerieprozess aus Erdöl neben anderen Komponenten Otto- und Dieselkraftstoff. Im Sinne der Ressourcennutzung und zur weiteren Sicherstellung von Mobilität müssen beide Kraftstoffe sinnvoll genutzt werden. Auf der anderen Seite arbeiten meine Dieselkollegen sehr intensiv an der Verbesserung der dieselmotorischen Verbrennung. Hier ist das Ziel, die Rohemissionen weiter zu verbessern und damit die aufwendige Abgasnachbehandlungsanlage substituieren zu können.
Bereits heute erfüllt der DIESOTTO künftige Abgasgrenzwerte wie Euro 6. Kann er auch noch strengere Limits einhalten?
Beim Ottomotor ist es bisher gelungen, auf alle gesetzlichen Forderungen mit entsprechenden Lösungen zu antworten. Dies wird auch im DIESOTTO-Anwendungsfall so sein. Unser Ziel ist es, weiterhin den bewährten 3-Wege-Katalysator als Nachbehandlungssystem zu nutzen.
Welchen Anteil hat die Elektronik?
Neben Hardwarelösungen spielt das Motorsteuerungs- und Regelungskonzept eine große Rolle. Ohne die exakte Ansteuerung der Subsysteme würde der Motor nicht funktionieren. Die bessere physikalische Abbildung der einzelnen Komponenten und damit die Möglichkeit und Notwendigkeit der modellbasierten Steuerung und Regelung ist eine zentrale Aufgabe auch für die weitere Optimierung des Gesamtsystems.