Nutzfahrzeughybride weltweit
Daimler entwickelt und baut Hybridantriebe nicht nur für den Pkw-Bereich und das SUV-Segment. Auch bei Nutzfahrzeugen sind die Konzernforscher und -entwickler weltweit aktiv, um nachhaltige Konzepte für den Personen- und Gütertransport auf die Straße zu bringen.
Im Serienbetrieb sind bereits Hybridbusse der nordamerikanischen Daimler-Marke Orion. Für den Niederflur-Stadtbus Orion VII Hybrid gingen seit 2003 aus vielen amerikanischen und kanadischen Städten insgesamt 1.500 Bestellungen ein. Davon fahren bereits rund 1.000 Busse im Linienverkehr durch die Straßen New Yorks und anderer Großstädte. Weitere 525 Fahrzeuge sind optioniert. Damit ist Orion weltweit Marktführer für Hybridbusse.
Die Orion-Busse zeichnen sich durch einen seriellen Hybridantrieb aus. Dabei fährt der Bus mit einem Elektromotor. Dieser bezieht seinen Strom von einem Generator, der von einem Dieselmotor angetrieben wird. Der Generator lädt zudem Batterien auf, die dem Elektromotor beim schnellen Anfahren oder bei Berganstiegen zusätzliche Energie liefern. Zudem speichern sie die beim Bremsen zurückgewonnene Energie.
Mehr als 20 Transporter des Typs Dodge Sprinter PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicle) nehmen bis Frühjahr 2008 an einem Flottentest in den USA teil. Die Fahrzeuge besitzen neben einem Diesel- oder Ottomotor auch einen Elektroantrieb, den der Fahrer wahlweise zuschalten kann. Im reinen Elektrobetrieb beträgt die Reichweite bis zu 32 Kilometer. Die Plug-in-Technologie eignet sich gut für den kommerziellen Lieferverkehr, bei dem das Fahrzeug nach jeder Schicht an seinen Stützpunkt zurückkehrt, um an einer Steckdose die Batterie für den Elektromotor nachzuladen.
In den USA hat zudem die Daimler-Tochter Freightliner zusammen mit Eaton einen Hybridtransporter entwickelt, von dem 18 beim Paketdienst FedEx getestet werden.
Auch Mitsubishi Fuso, die japanische Nutzfahrzeugtochter von Daimler, setzt bei ihren Stadtbussen mit dem Niederflurmodell Aero Star auf einen seriellen Hybridantrieb. Testfahrten unter Praxisbedingungen fanden bereits während der Fußball-WM 2002 in Japan statt. Inzwischen wird der Hybridbus in Serie gebaut, erste Fahrzeuge sind im Linienbetrieb unterwegs.
Mit dem Canter Eco Hybrid hat Fuso 2006 in Japan den umwelt¬verträglichsten Leicht-Lkw der Welt eingeführt. Herzstück des dualen Antriebs sind neben dem 3-Liter-Turbodiesel und dem Elektromotor auch leistungsstarke Lithiumionenbatterien und ein automatisiertes Schaltgetriebe. Der leichte Lastwagen wird je nach Fahrsituation vom Diesel- oder Elektromotor oder von beiden Aggregaten gleichzeitig angetrieben. Ergebnis ist eine Reduzierung der Partikelemissionen von 46 Prozent sowie der Stickoxidemissionen um 41 Prozent. Die Rück¬gewinnung der Bremsenergie führt zu einer Kraftstoffersparnis von bis zu 20 Prozent.
Noch im Jahr 2007 präsentiert Mercedes-Benz einen Prototypen des Stadtbusses Citaro G Hybrid mit dieselelektrischem Antrieb, dessen Dieselverbrauch und CO2-Emissionen 20 bis 30 Prozent geringer sind. Der Citaro-Gelenkbus erhält einen seriellen Hybridantrieb, mit dem er auf kurzen Strecken im reinen Batteriebetrieb abgasfrei fahren kann. Der Versuchsbetrieb startet 2008; die Serienproduktion ist für 2009 geplant.
Der Dieselmotor arbeitet nicht als ständiges Antriebsaggregat, sondern dient als Generatorantrieb zur bedarfsweisen Stromerzeugung. Den Strom speichern wartungsfreie Lithiumionenbatterien auf dem Busdach. Sie werden nicht nur durch den Dieselgenerator, sondern auch durch die beim Bremsen zurückgewonnene Energie (Rekuperation) gespeist. Den Antrieb der vier Räder an Mittel- und Hinterachse übernehmen vier elektrische Radnabenmotoren mit einer Gesamtleistung von 320 kW/435 PS.
Der Mercedes-Benz Hybrid-Sprinter ist der erste Transporter mit Hybridtechnologie, der seit 2006 europaweit im harten Kundenalltag erprobt wird. Das erste Fahrzeug ging in Paris für den Paketdienst FedEx an den Start. Die hybriden Sprinter haben einen 115-kW-Dieselmotor mit Direkteinspritzung und einen Elektromotor mit 70 kW Leistung. Eine Lithiumionenbatterie mit einer Speicherkapazität von 15 kWh ist im Unterboden angebracht und beeinträchtigt so den Laderaum nicht.
Die Ergebnisse dieser Erprobung liefern den Entwicklungsabteilungen wertvolle Hinweise für den Sprinter mit Hybridantrieb, der in unterschiedlichen Varianten möglich ist – vom „Micro Hybrid“ mit einem speziellen Anlasser (Start-Stopp-Funktion) bis zum „Full Hybrid“ mit zwei vollwertigen und miteinander verbundenen Antriebssystemen sowie Batterien als Stromspeicher.