Expertengespräch: Interview mit Andreas Truckenbrodt

Andreas Truckenbrodt hat langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der Brennstoffzellenfahrzeuge und anderer alternativer Antriebe. Von 2001 bis 2002 war er bei Ballard tätig; in den Jahren 2003/2004 war er bei Daimler für Brennstoffzellenfahrzeuge verantwortlich. Danach leitete er für Daimler das Hybrid Development Center in Troy, Michigan. Seit Februar 2008 hat er die Leitung der Automotive Fuel Cell Cooperation (AFCC) im kanadischen Vancouver inne.
Herr Truckenbrodt, worin sehen Sie die Vorteile des Unternehmens AFCC im Vergleich zur bisherigen strategischen Zusammenarbeit von Ballard, Ford und Daimler?
AFCC kann sich auf die Entwicklung und das Ziel der Serienreife der Brennstoffzellenstacktechnologie für die Automobilanwendung konzentrieren. Dies erlaubt es, alle Ressourcen von Daimler und Ford zu nutzen und für die optimale Integration in die Fahrzeuge zu sorgen.
Müssen Sie mit zwei Automobilunternehmen als Anteilseignern zwei Herren dienen oder ergeben sich daraus sogar Synergien?
Wir sind sehr glücklich darüber, die Kompetenzen beider Automobilunternehmen nutzen zu können. Es ist aber auch klar definiert, dass Daimler die industrielle Führung in dieser Kooperation hat.
Und wie sind die Aufgaben/Rollen zwischen Daimler, NuCellSys und AFCC verteilt?
Daimler ist für das Brennstoffzellenfahrzeug und den gesamten Antriebsstrang verantwortlich, also die Integration aller Komponenten im Antriebsstrang und im Fahrzeug. AFCC entwickelt den Brennstoffzellenstack und ist für die Fertigung verantwortlich, während alle Komponenten um den Stack herum in den Händen von NuCellSys liegen. Damit ist nunmehr der gesamte Brennstoffzellenantriebsstrang in der Verantwortung der Automobilhersteller.
Wie sehen Sie die technologische Stellung von AFCC im Vergleich zu seinen Wettbewerbern?
Die Brennstoffzellentechnologie hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Wir denken, dass AFCC weltweit eine Spitzenposition einnimmt. Und dies nicht nur, weil wir exzellente technologische Lösungen haben, sondern auch, weil wir auf die im Wettbewerb größte Erfahrung aus dem Betrieb in Kundenhand von mehr als 100 Brennstoffzellenfahrzeugen weltweit und mehr als 3,8 Millionen Kilometer zurückgreifen können.
Auf welche spezifischen Anforderungen von Daimler/Anwendungsschwerpunkte (Pkw/Bus/Truck) werden Sie die Stack-Entwicklung bei AFCC ausrichten?
Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung von Brennstoffzellenstacks für Pkw, da dies die Anwendung mit dem größten Potenzial und den anspruchsvollsten Anforderungen ist. Die Systeme werden aber so modular sein, dass sie sich auch in Lieferfahrzeuge und Busse integrieren lassen.