Design und Technik als Pas de deux
Ein gehöriger Teil des ständigen Designwandels vollzieht sich im Wechselspiel mit den Fachleuten aus Forschung und Entwicklung in Deutschland. Zum Begriff "on Package" haben alle Designer in Irvine ein "besonderes" Verhältnis. Er bezeichnet das Anforderungsprofil, das jedes neue Fahrzeug erfüllen muss, um den immer komplexeren Sicherheitsvorschriften und Regelvorgaben gerecht zu werden. Dieses „Paket“ enthält ein Bündel an unverrückbaren Daten und Maßen, denen sich das Design unterwerfen muss, egal, ob es um Scheinwerfer, Fahrgastraum, Radstände, Motor oder das Getriebe geht.
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"Was hier in Kalifornien passiert, findet meist Resonanz in der ganzen Welt." - Benjamin Dimson ist Designer und Assistant General Manager des Advanced-Design-Studios Irvine, Daimlers erstem im Ausland. Dimson war einer der ersten Angestellten in Irvine. Er will im Ballungsgebiet Süd- kalifornien seine Finger dicht am Puls der Zeit spüren. |
Daraus ergibt sich ein diffiziler Tanz der Designer und Ingenieure. So sehr die Fachleute in Sindelfingen ihre neuesten Erfindungen in einem Advanced-Design-Konzept verwirklicht sehen wollen, so sehr sind die Designer darauf aus, nicht nur eine ästhetisch anspruchsvolle "Verpackung" für die neueste Technologie zu liefern. "Es gibt einen ständigen Dialog zwischen uns und den Ingenieuren, weil wir alle am Ende das bestmögliche Fahrzeug bauen wollen", sagt Senior Designer Nicolas, genannt Nick Garfias. Er verbrachte gerade drei Monate in Sindelfingen, um sein siegreiches Design vom kleinen Modell zum Prototypen für die Serienfertigung zu begleiten. "Sobald man so weit kommt, kann man nicht mehr schummeln. Alle Details müssen on Package sein, wie wir sagen, und das wird ständig mit den aktuellsten Daten durchgerechnet", berichtet der Designer.
Diese Mischung aus technischer Perfektion und ästhetischem Gespür sucht das Team in Irvine bei zukünftigen Designern. Deswegen unterrichten Mitglieder des Design-Studios regelmäßig am Art Center College, einer traditionsreichen Hochburg für Autodesign in Pasadena. Damit wollen sie die Designphilosophie der Marke Mercedes-Benz bekannt machen und talentierten Nachwuchs rekrutieren. Ein bis zwei Praktikanten arbeiten jeweils für drei bis sechs Monate in Irvine, und viele der gegenwärtigen Mitarbeiter sind Studienabgänger aus Pasadena.
Benjamin Ebel, seit 2004 bei Mercedes-Benz als Designer tätig, unterrichtet etwa einen Abend pro Woche an seiner Alma Mater. Er möchte den Designstudenten vermitteln, wie sie ihre Karriere am besten managen. „Es gibt zum Beispiel einen großen Unterschied, ob mir ein Auto als Designer gefällt oder ob ich es als Profi schätze“, erläutert Ebel. "Letzteres bedeutet nämlich Design mit Tiefgang. Und darauf kommt es an. Für solche Entwürfe muss der Designer recherchieren und eine überzeugende Geschichte erzählen können." Ebel, der sich als „Purist mit einer Vorliebe für minimalistische Formen“ bezeichnet, sucht nach kommunikativen und vielseitigen Talenten an der Hochschule, um sie für die deutsche Marke zu gewinnen.
Worauf es in Zukunft ankommt, erklärt Designer Benjamin Dimson, ist die Befindlichkeit der Generation Y und Z, also all jener Altersgruppen, die mit dem Internet als der natürlichsten Sache der Welt aufgewachsen sind. "Diesen Autofahrern von morgen sind weder PS noch Hubraum wichtig. Die schrauben nicht mehr am Vergaser herum. Sie achten vielmehr auf leistungsfähige Batterien bei Elektroautos, auf Speicherkapazität, mobiles Web und Unterhaltungselektronik." Diese zukünftigen Kunden erwarten von ihrem Fahrzeug Benutzeroberflächen, die sie etwa vom iPhone oder von Spielkonsolen kennen.
"Wenn wir auch in 100 Jahren noch die beste Marke sein wollen", sagt Dimson, "müssen wir diese Trends frühzeitig aufgreifen. Unsere Aufgabe lautet, sie technisch und in unserem Design so umzusetzen, dass Mercedes-Benz bei Leistung und Luxus weiterhin an der Spitze liegt. Keine leichte Aufgabe, aber ich bin Optimist." Und dies wiederum hat sicherlich etwas mit dem kalifornischen Sonnenlicht vor seinem Bürofenster zu tun, das einfach alle Fahrzeuge ein bisschen glänzender erstrahlen lässt.