Schritt für Schritt zum Assistenzsystem
1 Die Forscherteams von Assistance and Safety Systems und Human Factors wählen gemeinsam mit den Crashspezialisten der Daimler-Unfallforschung typische Kreuzungssituationen aus dem umfangreichen GIDAS-Datenfundus aus.
2 In die engere Wahl kommen vier Situationen, die besonders häufige Typen von Kreuzungsunfällen repräsentieren. Die Unfallforscher rekonstruieren aus den detailliert erhobenen Unfällen, den zusätzlich dokumentierten Spuren und den Zeugenaussagen akribisch den Hergang: Wann kam das andere Auto in den Sichtbereich des Unfallfahrers? Wurde er von der Sonne geblendet, verdeckten parkende Autos oder Fußgänger die Sicht? Diese Parameter werden in das Steuerungsprogramm des Fahrsimulators integriert.
3 Die Berliner Fahrsimulatorexperten nehmen die Umgebung direkt am Unfallort exakt auf: Sie fotografieren Häuser, Bäume und Plakatwände, digitalisieren, vergleichen und vermessen und erzeugen daraus eine Simulation, die die Wirklichkeit in allen wichtigen Details abbildet.
4 Zum ersten Mal überhaupt wird ein realer Unfall in dieser hohen Präzision nachgebildet: Die Probanden im Fahrsimulator vergessen schon nach kürzester Zeit, dass sie nicht wirklich in einer fahrenden S-Klasse sitzen. Sensoren und Kamerasysteme überwachen alle Tätigkeiten und Reaktionen der Testpersonen.
5 Die Simulatortests werden ausgewertet. Die Forscherteams entwickeln konkrete Ideen zu neuen Assistenzsystemen und integrieren deren Funktionalität ins Simulatorprogramm. Jeweils ein Drittel der 81 Testpersonen erhält zur Unterstützung einen virtuellen Bremsassistenten, einen Bremsassistenten plus Kreuzungsinformationssystem beziehungsweise keinerlei elektronische Assistenz. Das Ergebnis: Die Assistenzsysteme reduzieren die Zahl der Unfälle signifikant.
6 Aus der Laborumgebung auf die Straße: Ein Fahrzeug mit entsprechend ausgerüstetem Navigations- und Informationssystem und den gleichen Möglichkeiten zur Fahrerbeobachtung wie im Simulator wird auf bestimmten Routen durch den Straßenverkehr geführt.