Motorenforschung und -entwicklung
Kurzportrait: Die Bereiche GR/VP und EP/MO
Motoren sind gewissermaßen das Herz des Autos – und dass sie dem Erfinder des Autos besonders am Herzen liegen, ist naheliegend. Eine zentrale Rolle spielen bei Daimler deshalb die zwei Bereiche „Forschung und Vorentwicklung Verbrennungsmotorische Antriebe“ (GR/VP) und „Mercedes-Benz Cars Entwicklung Grundmotor“ (EP/MO). Die beiden konzerninternen Kürzel stehen für ein Forschungs- und ein Entwicklungscenter, die in enger Kooperation an neuen Konzepten für Motoren und Brennverfahren arbeiten.
Ein Paradebeispiel für diese Zusammenarbeit ist die Benzindirekteinspritzung der zweiten Generation, die 2006 im Mercedes-Benz-Serienfahrzeug CLS 350 CGI ihre Weltpremiere feierte. Bei diesem Projekt hat der von Erhard Rau geleitete Bereich GR/VP ein neues Brennverfahren mit nach außen öffnenden Einspritzdüsen und Piezoinjektoren konzipiert und bis zur Konzepttauglichkeit entwickelt. Dann wurde die kraftstoffsparende Technologie in der Vorentwicklung zur Serientauglichkeit vorangetrieben und anschließend an die Kollegen von der Mercedes-Benz-Motorenentwicklung in dem von Peter Lückert geleiteten Bereich Entwicklung Grundmotor (EP/MO) übergeben. Dort hatten die Ingenieure parallel den Grundmotor für die Benzindirekteinspritzung entwickelt. Unterm Strich also ein erfolgreicher Technologietransfer – der Motor stammt aus der Entwicklung, das Brennverfahren aus der Forschung/Vorentwicklung.
Neue Technologien beziehungsweise Innovationen von der ersten Idee bis zum Reifegrad „Serientauglichkeit“ zu entwickeln, ist die Hauptaufgabe der 200 Mitarbeiter im Center GR/VP, das mit seinen sieben Fachabteilungen im Werk Untertürkheim angesiedelt ist. Schwerpunkt dort ist die Entwicklung von Technologiebausteinen, die dann zu Serienprojekten beziehungsweise in Grundmotoren transferiert werden. Erklärtes Ziel von GR/VP ist es, „die vorhandenen Potenziale zur weiteren Absenkung der Emissionen und des Kraftstoffverbrauchs auszuschöpfen“. Dafür arbeiten die Motorenforscher um Erhard Rau intensiv an innovativen Brennverfahren, verbesserten Abgasnachbehandlungssystemen und neuen Aufladekonzepten.
Wie eng die Kooperation der Motorenforscher mit den Entwicklern ist, zeigt auch das Projekt für den Welt-Dieselmotor, der global in verschiedenen Fahrzeugen inklusive Transportern eingesetzt werden soll. Den Grundmotor dazu haben die Entwicklungsingenieure von EP/MO konzipiert. Ihre Kollegen aus dem Bereich (GR/VP) haben dafür Technologiebausteine wie zum Beispiel innovative Aufladesysteme entwickelt und erarbeiten jetzt schon das Brennverfahren für die zukünftigen strengeren Emissionsgrenzwerte weltweit.
Das in Untertürkheim angesiedelte Center EP/MO von Peter Lückert ist zuständig für die Grundmotorentwicklung von Otto- und Dieselaggregaten. Dazu gehören die Konstruktion, Erprobung und Freigabe von Triebwerk, Zylinderkopf, Öl- und Wasserkreislauf, Entlüftungssystem sowie des Antriebs der Nebenaggregate. Zudem sind die 254 Mitarbeiter auch Ansprechpartner für jene Entwicklungsingenieure, die sich bei den einzelnen Fahrzeugbaureihen mit Motorenpackaging und Vorbaustrategien befassen.
Zu den Schwerpunkten der acht EP/MO-Abteilungen und Projekte gehören neben der Entwicklung von Ottomotoren auch die grundmotorische Anpassung von Otto- und Dieseltriebwerken an die Emissionsgesetzgebung sowie die verbrauchs- und leistungsoptimierte Adaption bestehender Motoren an die aktuellen Modellreihen von Mercedes-Benz Cars.
Die Reduktion von Emissionen und Verbrauch darf bei Mercedes-Benz Cars nicht auf Kosten des Komforts für die Kunden gehen. Deshalb werden auch Maßnahmen wie reibungsreduzierte Lanchesterwellen zur Steigerung der Laufruhe, Start-Stopp-Systeme oder Wärmemanagement-Technologie entwickelt. Schließlich befassen sich die Entwickler um Peter Lückert auch mit der Standardisierung und Modularisierung von Powertrainkomponenten. Auch dies geht nur in einem intensiven Gedankenaustausch mit den entsprechenden Bereichen aus der Forschung/Vorentwicklung. Wie fruchtbar ein solches Wechselspiel sein kann, hat die Benzindirekteinspritzung der zweiten Generation gezeigt.
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