Fahrzeugdesign – Auf der kreativen Insel
Tools und Techniken im Design – vom Schreibtisch in die CAVE
Advanced Design vollzieht sich heute in einem Wechselspiel aus herkömmlichen und digitalen Arbeitstechniken. So fertigen Designer häufig zunächst Handskizzen konventionell auf Papier an, um sie anschließend im Scanner zu digitalisieren. Andere beginnen ihre Arbeit bereits digital und zeichnen mit dem Elektronikgriffel auf einem speziellen Touchscreen. Aus digitalen 2-D-Zeichnungen lassen sich mit spezieller Software dreidimensionale Modelle von dem konzipierten Fahrzeug erzeugen. Über spezielle 3-D-Printer lassen sich diese Modelle zum Beispiel in Kunstharz „ausdrucken“, oder man steuert mit dem Datensatz eine Computerfräse, die das komplette Modell oder Einzelteile davon aus Ton fertigt. Komplett digitalisierte Fahrzeuge lassen sich zudem in Videos animieren und in realistische Szenen – etwa den Großstadtverkehr oder eine Strandpromenade – einbetten.
Bald dürften neue Designwerkzeuge hinzukommen. Die Trendsetter dafür findet man nicht selten unter den Spezialeffekt-Gurus der Filmindustrie in Hollywood und den Hightechtüftlern im Sillicon Valley. „Die Werkzeugpalette, mit der wir in Zukunft arbeiten werden, wird sich ändern“, prognostiziert denn auch Gorden Wagener, Vice President Global Advanced Design von Daimler, „allerdings vermutlich in kleineren Schritten als in den vergangenen beiden Jahrzehnten, wo ein aktueller PC so leistungsfähig wurde wie ein Supercomputer vor zehn Jahren.“
In den 1990er-Jahren investierte Daimler massiv in digitale Werkzeuge und Hochleistungsrechner, um bei Designinnovationen an vorderster Front zu sein. Inzwischen gehören Programme wie Alias oder Geräte wie ein Laserscanner und selbst 3-D-Drucker, mit denen sich der Prototyp für ein Fahrzeugteil wie von Geisterhand über Nacht herstellen lässt, zur Standardausrüstung.
Der nächste Techniksprung hin zu einer durchgängigen Computerisierung lässt zwar noch auf sich warten, doch die Werkzeuge dafür und die Richtung, in die der Trend gehen wird, zeichnen sich bereits ab. So werden den Designern neue Visualisierungstechniken mittels virtueller Realität (VR) zur Verfügung stehen. Dank VR baut sich ein nur als Datensatz existierendes Bauteil oder auch gleich das komplette Fahrzeug in gleichsam greifbarer Präsenz vor dem Auge des Designers auf. Ein spezieller Würfel mit einer Öffnung und fünf Rückprojektionsflächen – die sogenannte CAVE – dient dabei als virtuelle Werkstatt, in der die Designer, bewaffnet mit Stereobrille und Space-Mouse, um ein virtuelles Fahrzeug herumgehen können, als stände es mitten im Raum.
„Designer von morgen werden neue Fahrzeuge als hochauflösende Hologramme vor sich sehen“, erwartet zum Beispiel Ben Dimson, Designer und stellvertretender Studioleiter in Irvine. Eventuell werden seine Nachfolger an der Formgebung eines nur im Computer existierenden Modells mit speziellen Datenhandschuhen ähnlich arbeiten, wie sie heute mit Spachtel, Schaber und Klebebändern einem realen Tonmodell den Feinschliff geben. „Noch ist das ein Traum“, meint Dimson, „aber ich bin ziemlich sicher, das wird kommen.“
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