Bis zum Jahr 2007 werden in Asien, Nordamerika und Europa 60 F-Cell A-Klassen mit Brennstoffzellen-Antrieb von Kunden im Alltag erprobt. Der Fuhrpark des Bundeskanzleramts ist einer dieser Kunden.

Die Mercedes-Benz A-Klasse "F-Cell" vor dem Bundeskanzleramt.
Stuttgart, 29. November 2004
Die fein schimmernde Iceblue-Lackierung des F-Cell scheint wie gemacht für die helle Fassade des Berliner Bundeskanzleramts mit ihrer edel wirkenden Kombination aus weißem Stein und dezent blaugrau getöntem Glas. Tatsächlich ist das farbliche Zusammenspiel reiner Zufall.
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Kein Zufall ist, dass der F-Cell vor der Schaltzentrale des deutschen Bundeskanzlers steht. Ministerialdirigent Dr. Ewold Seeba, Leiter der Abteilung 1 im Bundeskanzleramt und damit auch verantwortlich für den Fuhrpark, sagt es so: „Wenn wir nicht heute die Anforderungen von Mobilität und Klimaschutz in Einklang bringen, werden wir im nächsten Jahrzehnt über keine weltweit einsetzbaren Alternativen zum Auto von heute verfügen. Wir müssen daher jetzt neue Technologien marktreif machen. Zukunft braucht Vorbilder.“ |
Deshalb, so der promovierte Volkswirt, hätten sich der Bundeskanzler und die Fahrbereitschaft des Kanzleramts „mit Begeisterung“ dafür entschieden, bei der ersten Kundenerprobung des Brennstoffzellen-Pkw von DaimlerChrysler dabei zu sein. Neben den ausnahmslos schwarz lackierten Nobellimousinen aus deutscher Automobilproduktion wird daher für ein Jahr auch der F-Cell in der Reihe der Dienstfahrzeuge vor dem Bundeskanzleramt stehen.
Genau genommen auch wieder nicht: „Wir werden den F-Cell ordentlich rannehmen“, prophezeit Seeba. So soll das Fahrzeug nicht nur möglichst häufig für Dienstfahrten im Berliner Regierungsviertel benutzt werden. Es ist unter anderem geplant, den F-Cell als Shuttlefahrzeug zum neuen Gästehaus der Regierung ins 60 Kilometer entfernte Schloss Meseberg bei Gransee zu verwenden. „Zukunftsfähigkeit durch Innovationen“, wie Seeba es plakativ formuliert, „soll so auch für Gäste aus dem Ausland buchstäblich erfahrbar werden.“

Ewold Seeba wird die F-Cell als Shuttlefahrzeug für Gäste der Regierung einsetzen.
Mit einer kleinen Lachfalte im Augenwinkel fügt der ansonsten abwägend formulierende Verwaltungschef seine F-Cell-Erlebnisse fast lausbübisch hinzu: „Beim Ampelstart hänge ich auf den ersten 40 Metern jeden Sportwagen ab.“ Die Fahrleistungen des F-Cell kommentiert er noch koketter: „Wenn man nicht aufpasst, ausreichend für jede Menge Knöllchen wegen Geschwindigkeitsübertretung.“ Doch Seeba kehrt schnell wieder zur Ernsthaftigkeit zurück: „Uns hat an dem Projekt gefallen, dass DaimlerChrysler für den Betrieb des Fahrzeugs keinerlei Auflagen gemacht hat. Das ist ein echter Praxistest und keine PR-Aktion, sonst hätten wir gar nicht erst erwogen, daran teilzunehmen.“
Nicht nur Fahrzeuge auf dem Prüfstand
Wie ernst es den Ingenieuren von DaimlerChrysler mit dem Praxistest des Brennstoffzellenantriebs ist, belegen allein schon der Umfang und die logistische Tiefe des F-Cell-Projekts. An vier Standorten beziehungsweise Regi
onen weltweit werden 60 Fahrzeuge von einer Reihe von Kunden und einer Vielzahl von Fahrern für ein bis zwei Jahre im normalen Verkehr genutzt werden. Das angestrebte Ziel der Ingenieure: Jedes Fahrzeug soll jährlich 16 000 Kilometer und 500 Betriebsstunden lang laufen. Kumuliert ergäbe sich eine F-Cell-Laufleistung von 1,9 Millionen Kilometern bei einer Betriebsdauer von 60 000 Stunden – und damit weit mehr an Fahrpraxis, als jeder andere Mitbewerber mit einem Brennstoffzellen-Pkw bis dahin gesammelt haben dürfte. |
An allen Standorten umfasst das Projekt indes nicht nur die Fahrzeugtests selbst. In unterschiedlichen Konstellationen kooperiert DaimlerChrysler dort mit Behörden und Ministerien sowie Industriepartnern wie Gasversorgern und Mineralölfirmen, um parallel zur Fahrzeugerprobung auch die grundlegenden Bausteine einer zukünftigen Wasserstoff-Infrastruktur zu erarbeiten. Das F-Cell-Projekt ist also weit mehr als ein aufwändiger Fahrtest, es markiert zugleich den Beginn der Diffusion der Brennstoffzellentechnologie in den Alltag.
Im Herbst 2003 fiel der Startschuss für das Projekt mit der ersten Kundenauslieferung; Mitte nächsten Jahres soll dann auch der letzte der 60 F-Cells über die Straße rollen. Im Jahr 2007 heißt es dann, Bilanz zu ziehen und die Ergebnisse kritisch zu prüfen. Und so sieht der aktuelle Projektstand aus:
Für die USA sind mehr als 30 Fahrzeuge vorgesehen. Einige werden im Raum Detroit zum Einsatz kommen, das Gros jedoch in Kalifornien, und zwar in Los Angeles, San Francisco und Sacramento. Zu den ersten Kunden in den USA gehört der weltweit agierende Paketdienst UPS.

30 Brennstoffzellen-Fahrzeuge müssen sich auch auf den Highways in den USA beweisen.
Rund ein halbes Dutzend F-Cells sollen im Großraum Tokio zum Einsatz kommen. Zu den ersten Kunden gehören der Reifenhersteller Bridgestone und der Gasversorger Tokyo Gas. Im „Japanese Hydrogen & Fuel Cell Demonstration Project“ (JHFC) – ebenfalls einem Zusammenschluss öffentlicher Institutionen und industrieller Partner - engagiert sich DaimlerChrysler nicht nur in der Fahrzeugerprobung, sondern auch in allen infrastrukturellen Fragen.
Ebenso viele Fahrzeuge werden nach Singapur ausgeliefert. Neben Singapurs Umweltbehörde werden dort Michelin, die Lufthansa, BP und das Conrad Hotel jeweils einen F-Cell übernehmen. Den organisatorischen Rahmen der Fahrzeugerprobung in Singapur bildet das „Sinergy-EDB Fuel Cell Program“.
Durch Berlin schließlich werden zehn F-Cells fahren. Zu den ersten Kunden gehören neben dem Bundeskanzleramt die Deutsche Telekom und der Energieversorger Bewag Vattenfall. Zurzeit entsteht eine öffentliche Wasserstofftankstelle von Aral am Messedamm; in der Mercedes-Welt am Salzufer hat Europas erste Service-Werkstatt für Brennstoffzellenfahrzeuge mit speziell geschultem Personal bereits den Betrieb aufgenommen. Die Berliner F-Cells sind Teil des Projekts „Clean Energy Partnership“. Ziel dieser Kooperation ist es, die Alltagstauglichkeit von Wasserstoff im mobilen Einsatz nachzuweisen und die Kundenakzeptanz zu untersuchen.